Aus der Familienchronik Merckel zu Schmalkalden


Das hier behandelte Geschlecht  M e r c k e l  zu Schmalkalden ist bis 1405 lückenlos zurück zu verfolgen. Es ist von all diesen Geschlechtern wohl das älteste. Seine Geschichte ist eng verbunden mit der hervorragenden Rolle, die es jahrhundertelang als ältestes Schmalkalder Stahlschmiede-Geschlecht in der Geschichte des dortigen Eisenbergbaues, der Verarbeitung des Eisens und in der bewegten Geschichte der Stadt Schmaslkalden gespielt hat.

Die Herrschaft Schmalkalden gehörte seit 1360 zur Hälfte den Landgrafen von Hessen und seit dem 

"Gott Lob unsere Wergstatt deren fhurnemisten eltisten 
Wergstatt eine in Teutschen Landen gehalten wird."

1570 besaß Schmalkalden etwa 700 Stahlwerkstätten.

Die Urzunft aller dieser Eisenzünfte, die wichtigste und angesehenste war die der Stahlschmiede, welche die Aufgabe hatte, den Eisenrohstoff zu schmelzen und zu schmieden. Dies geschah in ältester Zeit mit Handblasebälgen und Fausthämmern, später mit den Wasser getriebenen Blaswerken und Eisenhämmern.

Im Jahre 1397 fährt der erste bekannte Merckel namens  H e n k y   M e r c k e r  mit seinen Stahlwaren zur Frankfurter Mess und wird kurz vor Frankfurt von einem Raubritter von Bommersheim mit anderen überfallen, beraubt und eingekerkert. Darauf ziehen die Frankfurter vor sein Raubschloß (das von Bommersheim) und zerstören es von Grund auf.

Dann erscheint urkundlich 1405 erstmals zu Schmalkalden als Stammvater des Geschlechts Merckel  M a t h y s  M e r k i r (Merker) Ratsverwandter, 1408 sein Sohn  H e r m a n n  M e r k l i n  Leinweber. 1493 war der Urenkel des Stammvaters, namlich Hermann Merckel, erstmals Zunftmeister der Stahlschmiede. Von da an nahmen die Angehörigen des Geschlechts Merckel zusammen mit dem Geschlecht  C l e m e n  das einträgliche Stahlschmiede-Handwerk zu Schmalkalden für Jahrhunderte fast ausschließlich in Besitz. Nachdem der vermutlich aus Freiberg in Meißen einge-wanderte Stammvater des Geschlechts Clemen, Johann Clemen, an Stelle des Handbetriebs, erstmals den mit Wasserkraft getriebenen Eisenhammer eingeführt und so der Stahlbereitung einen ungeahnten Aufschwung gegeben hatt.

Der Stahlberg bei Schmalkalden und sein Bergwerksbetrieb befand sich seit den ältesten Zeiten im Besitz der Familien. Noch heute sind Kure dieses Besitzes in der Hand des hessischen Zweiges. So bestand die Stahlschmiede-Zunft zu Schmalkalden fast im ganzen 16. und 17. Jahrhundert nur aus Mitgliedern dieser beider Geschlechter, die im Besitz der damit verbundenen Macht als Ratsherren, Bürgermeister und Vertreter dieses wichtigsten Gewerbezweiges, dann auch als Rechtsgelehrte und hessische Beamte eine führende Rolle spielten. 1586 ritt Burkhard Merckel als Gesandter der Stadt Schmalkalden auf die Hochzeit des Landgrafen Wilhelm von Hessen mit Sabine von Württemberg.

Aber diese beiden Geschlechter Merckel und Clemen wären auch genötigt, ihren Besitz in heißen Kämpfen gegen den Henne-bergischen Amtmann Johann Steitz zu verteidigen. Steitz, der durch die Anlage eigener Eisengruben und Eisenhämmer die Vormacht der beiden Geschlechter zu brechen suchte, was ihm aber nicht ganz gelang. Noch 1559 bestätigten die beiden Schultheißen, Bürgermeister und Rat von Schmalkalden in der neuen Zunftordnung die 8 Meister des Handwerks, nämlich 4 Merckel und 4 Clemen, als Obermeister, den Klaus Merckel und den Klaus Clemen. Nach 20 jährigem Kampfe wurde am 13.06.1575 im "Stahlschmiede-Rezeß" der Frieden zwischen den Streitteilen geschlos-sen, zwei Vertreter des Geschlechts Steitz wurden in die Innung der Stahlschmiede aufgenommen und ihnen 2 Hämmer und 4 Feuern und 1600 Zentner Stahleisen oder 800 Zentner reinen Stahls zur Verarbeitung jährlich zugebilligt. Den alten Stahl-schmieden aber für ihre 7 Hämmer und 12 Feuer 4200 Zentner Stahleisen oder 2100 Zentner Stahl.

Das Zusammenhalten der beiden Geschlechter Merckel und Clemen zur Erhaltung ihres reichen Besitzes hatte aber begreiflicher Weise schlechte erbgesundheitliche Folgen. Die Schmalkalder Zweige starben fast alle infolge der Inzucht aus. Wie alte Bilder beweisen, waren sich die Nachfahren so ähnlich geworden, daß man sie nicht voneinder unter-scheiden konnte. Heute sind in Schmalkalden nur noch ganz wenige Träger des Namens Merckel (Merkel) vorhanden. Nur die Zweige, welche ihre Heimat verließen, blühen noch heute und haben zum Teil in hohen Staatsstellen Hervorragendes geleistet. Ein Zweig, der Kurhessische Ast, hat dem Staat durch acht Geschlechterfolgen ununterbrochen Höhere Beamte gestellt.

Der Name  M e r c k e l  ist auf den altdeutschen Vornamen "Markwart" oder "Markuli" zurück zu führen.

Eine Sage läßt Schmalkalden von Schweden zur Zeit Christi gegründet werden, von den namentlich auch das Geschlecht Merckel abstammen soll; es wird daher schon im 17. Jahrhundert als ein "uhraltes, lobwürdiges Geschlecht" bezeichnet. Auch bestanden uralte und weitgehende Beziehungen zwischen dem schwedischen und deutschen Eisen-Bergbau. Noch heute gebraucht die schwedische Eisenindustrie deutsche Fachausdrücke.

Familienchronik Stahlschmiede Merckel zu Schmalkalden aus 1932

Originalauszug aus der Publikation von Dr. Carl Knetsch, Leiter des Staatsarchiv Marburg und zwischenzeitlich auch in Schamlkalden, aus den 1930er Jahren

"Die Schmalkalder Stahlschmiede im 16. Jahrhundert"
Mathys Merkir
und Hermann Merklin sind meine ältesten nachgewiesenen Ahnen.

Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden

Landgraf Wilhelm IV von Hessen ließ 1583 die aus dem 12. Jahrhundert stammende Burg Walltaff abreißen und errichtete 1584 an gleichem Ort das Schloß Wilhelmsburg. Der Gebäudekomplex und die Außenanlagen des Schlosses sind bis zum heutigen Tage nahezu unverändert erhalten geblieben. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde lediglich der am Südhang gelegene Terassengarten hinzugefügt. Der Verein für Hennebergische Geschichte und Landeskunde renovierte zwischen 1925 und 1928 die Innenräume des Schlosses und erneuerte die Fenster. Gegen eine Spende von 45 Reichsmark konnten die Bürgerfamilien der Stadt ihr Wappen in einem bleiverglasten Fensterfeld anbringen lassen.

Wie unten zu sehen, haben das auch die Nachkommen der ehemaligen Zunftbürger Merkel getan.