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Die Kirche war allgegenwärtig

Wie zuvor erwähnt, sammelte ich bei der Suche nach meinen Ahnen in den Kirchenbüchern auch andere Einträge der Pfarrer und verfasste daraus ein Buch. 

Das Buch ist im September 2018 beim BoD Verlag - Books on Demand - erschienen.

 Die transkribierten Texte in dem 316 DIN A5 Seiten umfassenden Werk beinhalten ein breitgefächertes Spektrum über das Alltagsleben der Landbevölkerung im Kreis Marburg in der Zeit von 1620 bis 1930. Berichte über Kirchenbauten, Kirchenverwaltung, Wirtschaft und Politik, Wetter- und Naturbeobachtungen. Die Nieschriften aus Bußen, Beichten und Abbitten  


beinhalten sowohl freudige als auch traurige Begeben-heiten. Anekdoten verleiten den Leser zum Schmunzeln, Berichte über Unglücksfälle und Krank-heiten mit tödlichem Verlauf machen nachdenklich und rufen Mitgefühl hervor. 

Die evangelischen Pfarrer haben uns mit den Kirchen-büchern ein Erbe von höchstem Wert hinterlassen. Diese Schatztruhe der Geschichtsschreibung darf den gegenwärtigen und den kommenden Generationen nicht vorenthalten werden.



Inhalt I                                                                                                         Inhalt II

Inhaltsverzeichnis............................................................................ 3

Vorwort........................................................................................... 13

  • Kirchenbau und -unterhaltung

Der Kirchenbau zu Bracht .............................................................. 17

Der Kirchbau zu Schiffelbach......................................................... 21

Bau der neuen Kirche zu Wetter..................................................... 31

  • Kirchen- und Pfarreiverwaltung

Wetter - Fürstliche Consistorial-Ordnung von 1691........................ 35

Die Pfarrer zu Wetter von 1575 bis 1873......................................... 39

Die neue Orgel zu Wetter................................................................ 43

Kirchenchronik Speckswinkel 1850 bis 1863.................................. 43

Der Verkauf des Pfarrhauses in Michelbach................................... 46

Weitershausen – Der Pfarrer als Lehnsherr..................................... 48

Schiffelbach – Der Kelch der Lutheraner und Reformierten............ 49

Die Entlohnung des Opfermannes zu Bracht.................................. 52

Die Regularien für den Schuldiener zu Bracht................................ 53

Bracht – Kirchenordnung fürs Militär.............................................. 54

Die Gemeinde Bracht kommt Ihren Verpflichtungen nicht nach..... 56

Ordentliche Bestallung der Primen Pfarr Bracht............................. 57

Der erste reformierte Pfarrer zu Schönstadt.................................... 61

Die Orgelrestaurierung in Schönstadt............................................ 62

Die Pfarrgärten zu Schönstadt........................................................ 64

Zusammengesuchte Nachrichten über die Pfarrer 
zu Hassenhausen und Bellnhausen................................................ 65

Hassenhausen – Die Versorgung der Pfarrerswitwe........................ 68

Großseelheim – Der strittige Kirchenstuhl...................................... 70

Oberrosphe – Die Reform der Pfarrgüter zu Rodenhausen.............. 71

Die Kirche zu Niederweimar........................................................... 73

Die Kapelle zu Allna....................................................................... 77

Die Kapelle zu Hermershausen ..................................................... 80

Die Kirche zu Oberweimar............................................................. 83

Die Kapelle zu Haddamshausen..................................................... 85

Die Kapelle zu Kehna..................................................................... 86

Die Kirchenstände zu Wehrshausen............................................... 88

Die Kirche zu Heskem.................................................................... 89

Die Kirche zu Leidenhofen............................................................. 90

Die Kirche zu Dreihausen.............................................................. 93

Die Kirche zu Betziesdorf............................................................... 94

Kirche zu Niederasphe................................................................... 97

Die Pfarrer von Niederasphe......................................................... 102

Von der Wahl des Superintendenten............................................. 107

Militärpfarrer................................................................................ 107

Kindermord.................................................................................. 109

Bericht wegen des Schulmeisters zu Niederasphe........................ 110

Die Schulordnung für Niederasphe............................................... 112

Die Häuser und Menschen zu Niederasphe.................................. 123

Die Kirche zu Niederwald............................................................. 125

Die Martinskirche zu Gladenbach................................................. 144

Die Kirche zu Josbach................................................................... 147

  • Copulationen – Trauungen

Fronhausen
Die verweigerte Predigt................................................................ 150
Der versetzte Bräutigam............................................................... 150
Die arme Braut............................................................................. 152
Bürgeln
Die reine Magd............................................................................. 152
Niederwalgern
Das hartnäckige Brautpaar............................................................ 154
Hochzeit auf dem Misthaufen....................................................... 155
Der frühe Beischlaf....................................................................... 155

Inhalt III                                                                                                      Inhalt IV

Die schwangere Braut................................................................... 156
Trauung in der Stube.................................................................... 157
Oberwalgern
Das unchristliche Brautpaar.......................................................... 158
Trauungen in der Mühlstube........................................................ 158
Die Winkel-Copulation................................................................. 159
Cappel
Heiratsordnung............................................................................ 160
Schönstadt
Eheschließungs- und Eheverhinderungsregeln............................ 162
Dreihausen
Der Trauschein............................................................................. 163
Ehebruch und Hurerei
Treisbach
Der gefragte Bräutigam................................................................ 164
Niederwalgern
Der Schäfer und die Magd............................................................ 166
Schäferstündchen mit Folgen....................................................... 167
Die späte Einsicht eines Kindvaters.............................................. 167
Der Hochstapler............................................................................ 167
Die rehabilitierte Hure................................................................. 168
Die wilde Ehe der Pfarrerstochter................................................. 169
Die unverbesserliche Hure........................................................... 169
Teuer bestrafte Hurerei................................................................ 169
Hurensache zweier Brüder............................................................ 170
Die Hure und der Musikus............................................................ 171
Das Scheunenkind........................................................................ 171
Die Hure und ihr Stiefvater........................................................... 172
Unbekannter Vater........................................................................ 173
Der betrogene Vater...................................................................... 173

Oberwalgern
Die Landhure................................................................................ 173
Die Magd und der Knecht............................................................. 174
Gladenbach

Die Kleiderordnung bei Begräbnissen.......................................... 213

Die neue Begräbnisordnung......................................................... 213

Die Leibachtkrankheit.................................................................. 216

Die Witwe und ihr Knecht............................................................. 174
Der reuige Täter............................................................................ 175
Das vermeintliche Kuckuckskind.................................................. 175
Schweinsberg
Der Fehltritt des Schulmeisters..................................................... 176
Das Techtelmechtel der Dienerschaft........................................... 176
Der Freikauf aus der Vaterschaft................................................... 177
Das Jägerstündchen...................................................................... 178
Doch noch ein braver Bürger geworden........................................ 178
Halsdorf
Die des Landes verwiesenen Huren.............................................. 179
Der reumütige Freier.................................................................... 179
Der todkranke Freier..................................................................... 180
Fronhausen
Wilde Ehe..................................................................................... 180
Die schwangere Braut................................................................... 180
Soldat oder der Schäfer.................................................................. 181
Kirchvers
Der unzüchtige Schuster............................................................... 181
Das Kind des Dragoners............................................................... 182
Cölbe
Hurerei in der Mühle.................................................................... 183

Inhalt V                                                                                                        Inhalt VI

Hassenhausen
Das Backhauskind........................................................................ 184
Die Diebin und der Schäfer........................................................... 185
Der arme Adam............................................................................. 185

  • Krankheit – Unglück – Tod - Begräbnis

Schiffelbach

Das Erbe der Witwe Zacharias....................................................... 187

Wohra

Eine unwürdige Beerdigung......................................................... 187

Hassenhausen

Ein Bremer fällt aus der Postkutsche und ertrinkt in der Lahn...... 188

Allerlei Notabilia  aus  Hassen-, Belln- und Erbenhausen.............. 188

Hachborn

Mord an einem Soldaten............................................................... 190

Ein Soldatenschicksal................................................................... 190

Tod im Klosterteich...................................................................... 190

Heskem

Tod im Wald.................................................................................. 191

Die Odyssee eines Todkranken..................................................... 191

Tragischer Tod eines kleinen Jungen............................................ 192

Niederwalgern

In der kalten Kammer erfroren..................................................... 193

Der tote Knabe und die lustige Witwe........................................... 193

Tödlicher Schreck......................................................................... 193

Johannes - das böse Stück............................................................. 194

Oberwalgern

Der tragische Tod des Vaters ....................................................... 194

Oberrosphe

Der Tod des Kirchenaufsehers und die Wahl seines Nachfolgers.. 195

Absolution für einen Todkranken................................................. 196

Fronhausen

Der Rabenvater............................................................................. 196

Das tragische Schicksal der alten Frau aus Wieseck..................... 197

Beim Holz holen tödlich verunglückt............................................ 197

Tödlicher Unfall beim Losholzmachen.......................................... 197

Vom Pferdefuhrwerk erdrückt....................................................... 198

Der großzügige Spender............................................................... 198

Der Tod kam auf dem Acker.......................................................... 198

Roth

Die tödliche Holzabfuhr................................................................ 199

Wenkbach

Kindbett im Backhaus................................................................... 199

Schweinsberg

Das tote Knäblein im Moor........................................................... 200

Der Tod kommt beim Grasmähen................................................. 200

Vom Baum erschlagen.................................................................. 201

Der Fürstin Tod............................................................................ 201

Des Kaisers Tod............................................................................ 202

Die letzten alten Kriegsveteranen sind gestorben......................... 202

Das Pfarrbegräbnis...................................................................... 203

Dreihausen

Tödlich getroffen.......................................................................... 203

Tödlicher Sturz vom Scheunenboden........................................... 204

Elnhausen

Tödlicher Schlag mit der Sense.................................................... 204

Die Todesfeier für den Landgrafen............................................... 205

Der unbekannte Tote.................................................................... 205

Die todkranke Gebärende............................................................. 206

Die Beisetzung des adeligen Fräuleins......................................... 206

Inhalt VII                                                                                                    Inhalt VIII

Zwei Pfarrersöhne sterben kurz hintereinander............................ 207

Ein Wohltäter der Armen.............................................................. 208

Verhängnisvoller Lichtmessbesuch.............................................. 208

Leidenhofen

Der wahnsinnige Selbstmörder..................................................... 209

Brustkrebs.................................................................................... 210

Niederasphe

Das Begräbnis des Superintendenten........................................... 210

Roßberg

Der Epileptiker.............................................................................. 211

Wermertshausen

Die Tote auf dem Feld................................................................... 212

Wetter

Pestjahre....................................................................................... 212

Tod der Landgräfin....................................................................... 213

  • Alltagsleben

Wohra

Der Pfarrer auf der Flucht............................................................. 217

Ebsdorf

Taufe eines Judenmädchens......................................................... 217

Die Frau aus Oberbiel................................................................... 219

Josbach

Der Bauernstolz des Dorfvorstehers............................................. 219

Eine stattliche Kollekte................................................................. 220

Verbotene Wege........................................................................... 220

Scheunenbau auf Kirchengrund................................................... 221

Anfeindungen gegen den Pfarrer.................................................. 221

Konfirmandenprüfung.................................................................. 221

Edle Spender................................................................................ 221
Die Rüge an den Lehnsherrn........................................................ 223

Viehfutter auf dem Kirchenboden................................................ 223

Sterzhausen

Rebellische Bauern...................................................................... 224

Die teuflischen Pfarrkinder........................................................... 227

Der unbeliebte Pfarrer.................................................................. 228

Fronhausen

Zahlungsverzug........................................................................... 229

Der bestohlene Ungläubige.......................................................... 229

Noch ein Ungläubiger................................................................... 230

Versöhnung.................................................................................. 231

Der Pfarrer ist kein Geldeintreiber................................................ 231

Oberrosphe

Die säumige Förstermagd............................................................. 232

Der spiel- und trunksüchtige Schuldiener.................................... 232

Niederwalgern

Der Bannstrahl auf die Scheunen................................................. 233

Die Taufe und der Branntwein...................................................... 234

Der Baustreit................................................................................ 234

Der Feind des Pfarrers.................................................................. 235

Die renitenten Hettges................................................................. 236

Der Mann und die Kinder aus Köppern........................................ 237

Das Freudenhaus......................................................................... 237

Reformierte und Lutheraner......................................................... 237

Der hinterhältige Sekretär............................................................ 238

Eine aufregende Taufe.................................................................. 239

Gladenbach

Der Getreide–Manna–Regen.......................................................... 239

Die Rache Gottes an dem unersättlichen Trinker.......................... 240

Hungersnot.................................................................................. 240

Der Brand in Ludwig Baums Haus................................................ 241
Arrest im Stockhaus...................................................................... 241

Inhalt IX                                                                                                      Inhalt X

Schönstadt

Was steht in der Akte ?................................................................. 241

Spenden für eine verunglückte arme Frau.................................... 242

Heskem

Der reiche Bettler aus der Rabenau.............................................. 243

Schweinsberg

Zwei Gemeinden sind eine zu viel................................................ 244

Niederasphe

Don Camillo und Peppone in Niederasphe................................... 244

Die erste Platternimpfung............................................................ 246

Mellnau

Brave Soldaten ziehen in den heiligen Krieg................................ 246

  • Wirtschaft und Politik

Niederasphe

Die Kirchenkasse als Kreditgeber................................................. 248

Der siebenjährige Krieg................................................................ 251

Die ökonomischen Werte der Pfarrei Niederasphe........................ 252

Der Kulturkampf 1871................................................................... 254

Gladenbach

Tod des Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen............................... 256

Die Untertanen sollen ökonomisch haushalten............................. 259

Betet für das Wohl des Geldes....................................................... 260

Wetter

Teuerung, Hunger und Armut...................................................... 260

Betziesdorf

Hessen-Kassel wird Kurfürstentum.............................................. 261

Das Königreich Westfalen............................................................ 262

Schweinsberg

Kaisermanöver 1877..................................................................... 265


Wehrshausen

Die Folgen des ersten Weltkrieges    ........................................... 266

  • Wetterberichte - Wetterbeobachtungen

Oberrosphe

Verheerende Unwetter in Oberrosphe........................................... 277

Gladenbach

Die Erdbeben............................................................................... 278

Kirchvers

Harte Winter................................................................................. 279

Hassenhausen

Die große Kälte............................................................................. 281

Der Komet.................................................................................... 282

Betziesdor

Frühling im Januar....................................................................... 282

Niederasphe

Wetterbüchlein............................................................................. 283

Neues Wetterbüchlein.................................................................. 286

Einige Belege zu dem neuen Wetterbüchlein............................... 295

Wetter

Wetterkapriolen........................................................................... 298

Wintergewitter.............................................................................. 298

Schweinsberg

Der Sturm am Sonntag Reminiscere 1876..................................... 299

Die außergewöhnliche Witterung des Sommers 1934................... 303

Bracht

Das Leben der heiligen Elisabeth (Kopie aus dem 

Kirchenbuch von Bracht).............................................................. 305

Elisabethkirche Marburg.............................................................. 308

  • Übersetzung kirchenlateinischer Wörter............................ 309
  • Quellen.................................................................................. 316

Vorwort

Mein seit der Schulzeit vorhandenes Interesse an der Geschichtsschreibung, vor allem an der über das Mittelalter in Europa, wurde jetzt im reifen Alter in eine bestimmte Richtung gelenkt. Bei der Suche nach meinen Ahnen haben mich die Kirchenbücher in ihren Bann gezogen. Die von den evangelischen Pfarrern getätigten Niederschriften sind auf der Höhe der Zeit und nahe am Menschen. Gefühlsmäßig nehme ich am Zeitgeschehen teil und begleite das Leben und Sterben der Menschen in der damaligen Zeit. Keine andere Geschichtsschreibung ist so realitätsnahe, wie diese. Deshalb auch die gewagte These bei der Titelwahl. Von der Geburt über die Konfirmation und Heirat bis zum Tod, die Kirche hat die Menschen begleitet und geprägt.  Die Pfarrer haben das Geschehen in den Kirchenbüchern dokumentiert.  Darüber hinaus enthalten die Bücher auch Niederschriften über Kirchenbußen oder Nachberichte (NB) zu Ereignissen in den Familien, den Kirchen- und den politischen Gemeinden. Ebenso wird über landes- und weltweite Ereignisse vereinzelt berichtet.
 

Im Lesen der alten Schrift habe ich durch die vorerwähnte Ahnenforschung Übung und Routine erlangt. Das hat mich dazu bewogen interessante Einträge aus den Kirchenbüchern der Kirchenkreise Marburg, Kirchhain und Gladenbach buchstabengetreu zu transkribieren. Ob ich dabei immer den richtigen Buchstaben gewählt habe, weiß ich nicht. Den abgeschriebenen Text habe ich aber akribisch   auf verständlichen Inhalt, Ausdruck, Satzbau und Wortlaut geprüft; Groß- und Kleinschreibung buchstabenorientiert übernommen. Etliche Buchstabenbilder des  17. Jahrhunderts sind als Groß- oder Kleinbuchstabe identisch. Hier bitte ich die Experten besonders um Nachsicht, was Übertragungsfehler betrifft. 

 

Das sogenannte „Kirchenlatein“ findet sich fast in jedem Protokoll oder Bericht. Den diesbezüglichen Wörtern ist die deutsche Übersetzung unmittelbar durch in Klammern gesetzter Kursivschrift angefügt. Trotzdem habe ich eine Auflistung der transkribierten kirchenlateinischen Begriffe und Begriffserklärungen am Ende des Buchtextes zum Nachschlagen erstellt. Der Pfarrer von Bracht,  Johann Egidius Orth, hat in seinen Berichten so reichlich vom Kirchenlatein Gebrauch gemacht, dass eine zusammenhängende Übersetzung unmittelbar nach dem transkribierten Text zu finden ist. 


Viele Begriffe des damaligen mittelhessischen Dialektes sind ebenfalls in diesen Niederschriften enthalten. Hier verzichte ich auf die wörtliche Übersetzung an Ort und Stelle, weil das die Texte und den Sprachgebrauch inhaltlich zerreißen würde. Dank meines Alters habe ich das in meinem Geburtsort Leidenhofen gesprochene Platt noch gelernt und bis dato auch beherrscht. Dieses, und meine Abstammung aus einer Handwerkerfamilie ermöglichten es mir, die dialektischen Begriffe ins Hochdeutsche zu übersetzen. Gar zu unverständlichen Texten ist eine kurzge-fasste Übersetzung in Hochdeutsch unmittelbar angefügt.

 

Die in diesem Buch enthaltenen transkribierten Kirchenbucheinträge beziehen sich auf die Zeitspanne von 1640 bis 1850. Einige sachbezogene Einträge reichen auch bis in das 20. Jahrhundert hinein. Die zuerst genannte Zeitspanne habe ich aufgrund der meist personenbezogenen Einträge bewusst so eingegrenzt. Zudem gibt es von den hiesigen Kirchengemeinden nur wenige früher datierte Einträge. Da, wo es solche gibt, sind sie in Kurzform gehalten oder kaum lesbar. Bei Ein-trägen, welche nach 1850 datieren, wäre aufgrund der dörflichen Einwohner- und Familienstruktur hier und da ohne Weiteres eine Verbindung zu noch lebenden Nachkommen auszumachen. Diese wären sicher nicht erfreut über das, was die damaligen Pfarrer mit ihrem derben Wortschatz über den Urgroßvater, als ungeratenen bösen Burschen, oder über die Großmutter, als leichtfüßige junge Frau, berichtet haben. 

 

In meiner Auslese nehmen diese negativen Einträge die führende Rolle ein. Abgesehen von den Fällen, die damals im Gerichtswesen protokolliert worden sind, könnte man sagen, die Pfarrer haben die Krimis ihrer Zeit geschrieben. Ein schier unerschöpfliches Thema sind wilde Ehen, unerlaubte Liebschaften oder außereheliche Verbindungen. In diesem Zusammenhang tauchen die Begriffe, Hurerei, Hure, Hurenbraut oder Hurenkind, auf. Auch von Mord und Totschlag, Selbstmord und tödlichen Unfällen ist die Rede. Zeitgeschichte und Politik findet man in dem einen oder anderen Kirchenbuch dokumentiert. Wetterberichte und Wetterbeobachtungen, über die ein in Niederasphe tätig gewesener Pfarrer sehr akribisch und ausführlich berichtet, sind ebenso ein Thema wie der Kirchenbau und die Kirchen- und Schulordnung.

Leseprobe

Hochzeit auf dem Misthaufen

 

Anno 1691 5ten February Niederwalgern

Paulus Frantz Johannche Frantz Sohn u. Margrethe Johannes Krafts Tochter von Stedebach copuliret worden den 5ten Febr. 1691. Sind zwar vermahnt worden, nach Oberwalgern in die Kirch zu gehen und sich vorm Altar Gottes copuliret zu laßen. Er hat aber der Braut umb (wegen), mich vielfaltig anhalten (gebeten), ihn zu Holtzhausen zu copulieren. Er häte das Recht in der Kirch copuliret zu werden, wollte auch gantz nicht widersprechen oder vor ein Recht falls er zu Holtzh. cop: werde, er wüßte wohl daß solch christlich Werk in low Sacro  geschehen mußte. Allein weills sehr grimmig kalt, und auch er allzeit seinen vorgesetzten Lehrer Gehorsam geleistet, als seines Wohlverhaltens halber, wollte man ihm doch seine dienßtlich Bitte gewehren u. durch ein nicht nein sagen machen, sondern ganz ihn als sein gütig Willen erkennen.//.

 

Aufm Mißthaufen vorm Schweinestall ist er erschienen und sich daselbst copuliren lassen:  Also mit Warheit zu bekommen  (zu sagen), daß es eine große Schand ißt, so Schauergestalt, christliche Kirche Ceremonien an solchen scheinheilig Orth zu geschehen. Aber des Bauer böß Geist viel zu arg, daß man nicht alles erzwing und in zuhmutlichen Stand setzen könen. Ich habe zur Nachricht aldieß anraten wollen 

Die des Landes verwiesenen Huren

 

Anno 1716 den 4ten Advent Sontag hat Paul Möllers Tochter Anna alhier, welche zu 4tenmahl Hurerey Sünde begangen gehabt, auch zum 4tenmahl ihre öffentliche Kirchen Poenitentz gethan, und weilen sie umb solcher Schandtaten willen uff 6. Jahr des Landes verwiesen und dahero in diesem Jahr nicht zum Heil. Abendmahl gegangen, als ist uff ihr Ansuchen bey Hochfürstl. Consistorio zu Marburg ein Decret den 11ten Xbris (Dezember) 1716. das mir ertheilet, daß ich sie die öffentliche Kirchen Poenitentz solle thun laßen, auch zum Heil. Abendmahl zu laßen, hernachen aber sollte sie außer Land wieder gehen, Gott gebe dieser Sünderin wahr Erkentniß ihrer Sünde, wie auch wahr Buße und Beßerung ihres Lebens.

 

Anno 1719. den 4ten Advent Sontag, hat Anna Elisabeth Joes Becker seel. zu Albshaußen hinterlaßene Tochter, welche zum dritten mahl Hurerey Sünde begangen, deswegen auch des Landes verwiesen gewesen, uff Hochfürstl. Regierung aber erlanget gehabt, Kirchen Buß zu thun und zum Heil. Abendmahl zu laße, hat uff obigen besagten Sontag ihre öffentliche Kirchen Buße abgelegt, hat uff Joes Naumans Sohn, Hans George benannt, welchen aber zur Zeit noch nichts bekannt, sondern von Hochfürstl. Consistorio einen Befehl ihn zum Heil. Abendmahl zu laßen.

  • Buchformat: 14,8/21 cm 
  • Gesamtseitenzahl: 320 (Farbe 25)
  •  Einband: Hardcover kaschiert glänzend
  • Gewicht: 571 g
  • ISBN: 9783746098227
  • eBook ISBN:374609822X
  • Preis: 23,99 € 
  • Preis eBook: je nach Angebot im Internet


Vorstellung des Buches in der Oberhessischen Presse Marburg


Was vom Leben die Kirche interessierte

Sex war 1697 keine Privatsache. Jedenfalls nicht, wenn es außerehelich passierte.

Artikel vom 28.08.2020

 Niederwalgern

 

Dorftratsch – wann wird der eigentlich noch zum Besten gegeben? Die Milchbänke und Spinnstuben als Hauptumschlagsplätze sind schon lange Vergangenheit und die spontanen Treffen beim Autowaschen auf der Straße bei Flaschenbier und Fußballreportagen aus dem Radio auch nur noch Kindheitserinnerungen. Wie auch die Dorfkneipe, weil man sich offenbar zu fein wurde, dort auf ein Feierabendbier hinzugehen. Oder wurde einfach nur mit der Zeit die Zeit knapper, kam man einfach zu spät nach Hause, und war einfach zu müde, um noch Neuigkeiten austauschen zu wollen?

 

Also, wer im 17. oder 18. Jahrhundert zufällig Zugang zu Kirchenbüchern hatte, der konnte sich sicher sein, bestes Tratsch-Material zu erhalten, denn was da Pfarrer so alles aufschrieben, eignete sich bestens dafür, sich die Mäuler zu zerreißen auf Kosten anderer. Herbert Merkel aus Niederwalgern hat für sein Buch „Die Kirche war allgegenwärtig“ viele Beispiele recherchiert, wie sehr Pfarrer Einfluss nahmen auf das Leben der Menschen in den früheren Jahrhunderten. Richten wir einfach mal den Blick auf Frauen auf dem Lande und schicken uns jetzt ins Jahr 1697.

 

Ja, Frauen auf dem Lande hatten es sehr schwer, erst recht, wenn sie schwanger wurden und der Kindsvater nicht zweifelsfrei der Ehemann war. Frauen, die nicht verheiratet waren und schwanger wurden, waren für Pfarrer offensichtlich alles Huren, wahlweise Dirnen.

Für die an der „Sache“ beteiligten Männer gab es offensichtlich keinen schmähenden Ausdruck. Als Frau hatte man seinen Platz, wer davon aufstand und sich nur ein bisschen fortbewegte, musste damit rechnen, zu den Gefallenen der Gemeinschaft zu gehören. Und so reichte es auch aus, was die Männer sagten, um ein Urteil über den Lebenswandel der Frau zu fällen und im Kirchenbuch niederzuschreiben.



So gab es einst 1697 eine Witwe Sibylla in Niederwalgern, die drei Kinder hatte. Sie stand allein im Verdacht mit einem Mann eine Beziehung gehabt zu haben, der aber schlecht über sie redete und sich beschwerte, dass sie immer wieder mit fremden Leuten herumgelaufen sei und „ein Hur Getechtel“ gehalten habe. Als sie dann doch wieder schwanger wurde, hieß es nur, sie habe „so viel Hurerey“ getrieben, dass sie fortziehen musste.

 

Ach, es gab doch Unterschiede 1697. Da hatte die Pfarrerstochter aus Oberweimar schon 14 Jahre in „wilder Ehe“ gelebt und gar einen Sohn bekommen. Diese Frau wurde nicht als „Hure“ bezeichnet, sie lebte mit ihrem Geliebten nur in „Unehre“ zusammen, doch ließen sich die beiden tatsächlich nach diesen 14 Jahren trauen. Und alles war gut. Nur ein Jahr später, 1698, musste hingegen ein anderes Paar seine Trauung teuer erkaufen. Diese „wilde Ehe“ war dann von weiblicher Seite aus wieder „Hurerei“, und den Segen zur Ehe gab es nur gegen eine Zahlung von schlappen fünf Gulden – „welche Sie also balt nicht bahr bezahlen können ihrer Armuths halber“. Ja, da zeigte der Pfarrer keine mitfühlende Milde, sondern Härte, sie mussten es sich ihr eheliches Glück zuvor vom Mund absparen.

 

Wer Lust bekommen hat, einmal selbst zu lesen, was früher in heimischen Kirchenbüchern stand, kann ja mal einen Blick in Merkels Buch werfen, das unter dem Titel „Die Kirche war allgegenwärtig“ 2018 unter Books on Demand (www.bod.de) erschienen ist. Es trägt die ISBN-Nummer 978-3-74-60-9822-7 und ist auch als E-Book erhältlich.

Von Götz Schaub 

Das Buch ist auch erhältlich bei der Oberhessischen Presse

Franz-Tuczek-Weg 1, 35039 Marburg.

Siehe nachfolgender Link

Information zu der Publikation

In den Dörfern des Ebsdorfer Grundes ist noch einiges an Altherge-brachtem anzutreffen. Historische Ereignisse, Geschichten und Anekdoten, ob zu Papier gebracht oder mündlich überliefert, gehören genauso dazu, wie Alltagsgegenstände, die unsere Vorfahren hergestellt und in Gebrauch hatten, und die sorgsam und fachgerecht aufbereitet und restauriert worden sind. In den Archiven und Ausstellungen der Heimat- und Geschichtsvereine wird das alles für die Nachwelt erhalten. Die modernen Medien tun ein Übriges dazu und vermitteln uns allerlei Wissenswertes aus der zurückliegenden Zeit.

Aus dem Dunkel der Vergangenheit nie richtig herausgekommen sind die Erinnerungen an die jüdisch-gläubigen Menschen, die zusammen mit unseren Vorfahren in den Dörfern des Ebsdorfer Grundes gelebt haben. Über ihr Schicksal, welches ihnen durch die Nationalsozialisten widerfahren ist, wurde im Allgemeinen viel geschrieben und wird noch heute immer wieder berichtet. Nur wenigen der heutigen Dorfbewoh-ner aber wissen, wo und wie die jüdischgläubigen Familien gelebt haben. Hierüber zu informieren, haben wir uns mit der Erstellung der Publikation

<> Die Synagogengemeinde Nordeck <>


zur Aufgabe gemacht.


Der religiösen Gemeinde gehörten alle im Ebsdorfer Grund lebenden jüdischen Mitbürger an. Die Dörfer Nordeck und Winnen waren bis zur Gebietsreform im Jahr 1974 historisch und politisch dem Ebsdorfer Grund angehörig.

Das 116 Seiten umfassende Buch gibt detailliert Auskunft über die Herkunft und den Verbleib der Gemeindemitglieder. Die Personendaten und Familienstrukturen werden durch genealogische Grafiken und Listen veranschaulicht. Zeitzeugen berichten über das jüdische Leben in den Landgemeinden und historische Fotografien veranschau-lichen dasselbe.

Wie in anderen Publikationen, so nimmt auch in unserem Werk die Verfolgung und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten breiten Raum ein. Kopien von Original-Dokumenten aus dem Dorfarchiv des Heimat- und Verschönerungsvereins Ebsdorf e.V. belegen, wie die jüdisch-gläubigen Menschen auch in unserer Heimat  drangsaliert und gedemütigt worden sind und mit welchen juristischen Finessen den wenigen Überlebenden eine angemessene Entschädigung verweigert wurde. 

Die Publikation können Sie bestellen über den nachstehenden Link beim Heimat- und Verkehrsverein Ebsdorf e. V.

  • Buchformat: DIN A4 
  • Gewicht: 340 g 
  • Einband: Thermobindemappe 
  • Bindung: Heiß-Thermobindung 
  • Preis: 12,00 Euro + Versand